SWR Kultur · zeitweise auch in der ARD Audiothek

SWR Kultur Radiobeitrag: "Mein Weg zur Trauerrednerin"

Ein unabhängiger Radiobeitrag von Christiane Renye über den Weg zur Trauerrednerin – vom ersten Impuls über die Suche nach einer passenden Ausbildung bis zum ersten Auftrag

Mit offizieller Lizenz des SWR hier abrufbar · Ursprünglich gesendet im September 2024

Worum geht es in diesem Radiobeitrag?

Worum geht’s?

Wenn Sie gerade überlegen, ob der Beruf als Trauerredner wirklich zu Ihnen passt oder ob Sie als Trauerredner nebenberuflich starten möchten, gibt Ihnen dieser unabhängige SWR-Beitrag einen realistischen Einblick – vom ersten Zweifel bis zum ersten Auftrag.

Die Journalistin Christiane Renye geht diesen Weg selbst und zeigt nachvollziehbar, wie aus ersten Fragen eine konkrete Entscheidung und erste praktische Erfahrungen werden.

Das nehmen Sie aus diesem Beitrag mit:

Eignungszweifel einordnen: Warum Unsicherheit normal ist und wie Sicherheit entsteht.
Kriterien im Angebotsvergleich: Wie sie vergleicht und warum sie mit dem kostenlosen Online-Seminar startet.
Praxisblick bis zum ersten Auftrag: Vorgespräch, Redeaufbau und Ablauf – inklusive Feedback der Angehörigen und wie der Einstieg als Trauerredner nebenberuflich gelingen kann.

Kurzfassung anhören (7:22 Min.)

Die Kurzfassung eignet sich für alle, die sich schnell einen ersten Überblick verschaffen möchten. Sie konzentriert sich auf Zweifel, Ausbildungsentscheidung und den Weg bis zum ersten Auftrag

Die wichtigsten Stellen der Kurzfassung - Originalton

00:20 Einstieg und Zweifel
02:28 Vom Online-Seminar zur Ausbildung
04:15 Erster Auftrag und Feedback

Vollversion anhören (25:53 Min.)

Die Vollversion zeigt den gesamten Weg ausführlicher: vom ersten Impuls über die Recherche nach einer passenden Ausbildung bis zum ersten Auftrag – mit konkreten Praxis-Einblicken

Kapitelübersicht der Vollversion - Originalton

03:05 Erster Impuls und Zweifel
04:33 Warum freie Reden zunehmen
09:17 
Auf Ausbildungs-Suche
10:30 Start in die Online-Ausbildung
21:38
Der erste Auftrag

Fragen und Antworten zum Radiobeitrag

Was der Beitrag zeigt, für wen er interessant ist und wie er bei der Entscheidung für den Beruf als Trauerredner helfen kann.

Worum geht es in diesem Radiobeitrag?

Der Beitrag begleitet den Weg zur Trauerrednerin vom ersten Zweifel über die Ausbildungsrecherche bis zum ersten Auftrag.

Für wen ist dieser Radiobeitrag besonders interessant?

Für Menschen, die überlegen, ob der Beruf als Trauerredner wirklich zu ihnen passt und einen realistischen Einblick suchen.

Was ist der Unterschied zwischen der Kurzfassung und der Vollversion?

Die Kurzfassung gibt einen schnellen Überblick. Die Vollversion zeigt den gesamten Weg ausführlicher und mit mehr Praxis-Einblicken.

Ist der Radiobeitrag unabhängig?

Ja. Es handelt sich um einen journalistischen Beitrag von SWR Kultur über den Weg zur Trauerrednerin. Der Beitrag war zudem zeitweise über die ARD Audiothek abrufbar.

Kann ich den Beitrag auch als Text lesen?

Ja. Unterhalb der Audio-Versionen finden Sie das vollständige Transkript der Kurzfassung zum Nachlesen.

Hilft mir dieser Radiobeitrag dabei, herauszufinden, ob ich als Trauerredner nebenberuflich starten kann?

Ja. Der Beitrag zeigt nachvollziehbar, wie erste Zweifel, Ausbildungsrecherche und praktische Erfahrungen zusammenhängen –und wie der Start als Trauerredner nebenberuflich möglich ist.

Trauerredner nebenberuflich: Skript der Kurzfassung "Mein Weg zur Trauerrednerin"

Hier finden Sie das Skript der gekürzten Fassung des SWR-Radiobeitrags im Original-Wortlaut – übersichtlich gegliedert nach den wichtigsten Stationen auf dem Weg zur Trauerrednerin.

1. Was eine gute Trauerrede ausmacht

Collage Anfang /(Holthaus) 

"Eine gute Rede macht das Persönliche aus. Das heißt, wenn ich eine Beerdigungsansprache schreibe, möchte ich möglichst viel und möglichst nah am Verstorbenen sein".

Mein Weg zur Trauerrednerin, eine Sendung von Christiane Renye.

2. Trauerredner nebenberuflich: Der erste Impuls und Wunsch, Abschiede aktiv zu gestalten

Der Grund, warum ich mich mit Athene getroffen habe, ist, dass ich selbst schon seit einer Weile überlege, freie Rednerin zu werden. Allerdings nicht für Hochzeiten, sondern für Trauerfeiern. Warum? Vielleicht liegt es daran, dass ich in meinem Leben schon auf mehr Beerdigungen war als auf Hochzeiten... oder daran, dass der Tod für mich so unbegreiflich ist, so schwer zu akzeptieren. Jedes Mal, wenn es passiert, im Familienumfeld oder im Freundeskreis, denke ich: Das darf doch einfach nicht wahr sein!

Ich würde es dann gerne ungeschehen machen. Und auch, wenn es mit der Zeit etwas in den Hintergrund tritt - sobald ich an den Menschen denke, der gestorben ist, trifft es mich wieder mit voller Wucht - so, als ob ich es eigentlich gar nicht verarbeiten könnte.

Abschied nehmen - das gehört ja irgendwie dazu - das konnte ich auch noch nie gut. Vielleicht würde es mir besser gelingen, wenn ich mich mehr mit dem Thema beschäftigen würde? 

Wäre ich Trauerrednerin, könnte ich dann doch lernen, wie man einen Abschied aktiv gestaltet, statt ihn passiv über sich ergehen zu lassen, wie es mir selbst schon einige Male passiert ist. Und: Ich könnte vielleicht anderen Menschen einen guten Abschied von einem geliebten Menschen ermöglichen.

3. Die passende Ausbildung finden: Recherche, Vergleich und erste Entscheidung

Über meinen Weg zur freien Rednerin möchte ich aber jetzt nicht mehr nur nachdenken. Ich will es jetzt richtig angehen und eine Ausbildung machen. Aber wie geht das am besten? Eine Internetrecherche eröffnet eine Fülle von Möglichkeiten. Viele Anbieter werben hier für sich.

Nach mehreren Stunden Netzrecherche wird mir klar: Die meisten Angebote sind in Art, Umfang und Zeitdauer sehr unterschiedlich. Es gibt sie in Präsenz oder Online, als Crashkurs oder Intensivlehrgang, als Einzelcoaching oder Gruppenlernen. Die Preise dafür bewegen sich überwiegend im Bereich zwischen zwei- und dreitausend Euro. 

Ich entscheide mich für eine digitale Ausbildung beim Trauerredner Daniel Mossa aus Dormagen. Zunächst - ich bin ja lieber erstmal vorsichtig - melde ich mich bei ihm für ein kostenloses Webinar an, um ein bisschen reinzuschnuppern. Da mich das überzeugt, buche ich danach kurz entschlossen das umfangreiche Onlineseminar. 

Ein bisschen Zweifel habe ich ja... vor dem Bildschirm lernen, wie man mit trauernden Menschen umgeht und eine Trauerfeier leitet? Aber egal, jetzt habe ich es entschieden und will es auch unbedingt versuchen.

4. Start in die Ausbildung: Online lernen, Vorgespräche führen und Sicherheit gewinnen

Der Zugang wird mir prompt per E-Mail zugeschickt und schon am nächsten Tag starte ich mit meiner neuen Ausbildung! Ich gebe die Zugangsdaten ein, die Seite baut sich auf.

"Hier erfährst du, welche drei Fähigkeiten du brauchst, um das Vorgespräch mit den Angehörigen erfolgreich zu gestalten".

Und da ist ja auch schon Herr Mossa im ersten Video! Braune Haare, akkurat geschnitten, dunkelroter Pullover, er spricht flüssig und engagiert und wirkt sehr professionell.

"Warum ist dieses Modul, das Vorgespräch, so besonders wichtig? Weil das Vorgespräch die Grundlage einer gelungenen Trauerfeier ist".

Inhaltlich bekomme ich von Herrn Mossa eine Fülle von Infos. Vom Gespräch mit den Angehörigen über das Verfassen einer Rede bis zum eigenen Zustandsmanagement, wie man etwa beim Sprechen mit Emotionen umgeht. Ich lerne, dass der Bestatter mein Auftraggeber ist und warum ich nicht zwingend eine Website brauch. Und immer wieder gibt es praktische Tipps, bei denen man merkt, dass der Coach seine eigenen Erfahrungen gerne mit den künftigen freien Rednern teilt.

5. Der erste Auftrag: Vom Kontakt mit dem Bestatter zur ersten Trauerrede

Jetzt kommt mein nächster Schritt. Ich rufe den örtlichen Bestatter an, erkläre ihm wer ich bin und dass ich mich jetzt nach der Ausbildung bereit fühle, eine Trauerfeier zu leiten. Er verspricht sich zu melden, falls jemand eine freie Rednerin für seine Trauerfeier sucht. Schon wenige Tage später kommt ein Anruf.

Jetzt wird es ernst. Der Bestatter hat einen Auftrag für mich! Gestorben ist ein Mann, der erst Mitte 60 war, aus der Nähe von Rastatt. Das Gespräch mit seiner Tochter verläuft aus meiner Sicht ganz gut. Sie gibt mir ganz viele Informationen an die Hand, schildert seinen Lebenslauf, erzählt kleine Anekdoten und spricht insgesamt sehr liebevoll über ihren Vater. Ich kann mir mit der Zeit ein gutes Bild von ihm machen. 

Beim Schreiben der Trauerrede denke ich an das, was Bodo Holthaus auf meine Frage gesagt hat: "Eine gute Rede macht das Persönliche aus. Das heißt, wenn ich eine Beerdigungsansprache schreibe, möchte ich möglichst viel und möglichst nah am Verstorbenen sein".

6. Die erste Trauerfeier: Rückmeldungen und die tröstliche Wirkung des Abschieds

Trauerfeier und Beisetzung finden am Friedwald Badener Höhe bei Herrenwies im Schwarzwald statt. Der Bestatter hatte akkubetriebene Lautsprecher mitgebracht zum Abspielen der Lieder. Und für mich ein Mikrofon.

"Ricardo war ein Mann, der wie ein Schwamm alles Wissen aufgesaugt und gerne weitergegeben hat - vor allem über seinen geliebten Fußball".

So habe ich meine erste Trauerrede gehalten. Glücklicherweise ohne allzu viel Geholpere, denn nervös war ich schon irgendwie. Als alles vorbei war, haben sich die Angehörigen und einige der Trauergäste bedankt. Sie sagten, sie hätten den Verstorbenen in meinen Worten wiedererkannt. Seine Ex-Frau hat mich sogar umarmt und mich zum Treffen danach in einer Gaststätte eingeladen. Das hat mich total gefreut.

Die schöne Naturlandschaft da oben, die intensiven Erinnerungen an den Verstorbenen, die Blumen, die Musik, die Gespräche: All das hat irgendwie eine tröstliche Wirkung. Die Trauer kann es nicht nehmen, natürlich nicht, aber es ist trotzdem wichtig. Vielleicht, weil es das Letzte ist, das man für jemanden nach seinem Tod noch tun kann.

7. Abschluss des Radiobeitrags

In SWR Kultur Glauben hörten Sie eine Sendung von Christiane Renye: Mein Weg zur Trauerrednerin. Redaktion: Susanne Babila.